15/12/2016
Thomas Fischer, Bundesrichter:
"Über besorgte und besorgniserregende Bürger:
Am Ende bleiben auf der Oberfläche ein paar Fragen: 1) Begehen Ausländer mehr Straftaten als Inländer? Wenn ja: Welche, und Warum? 2) Begehen "Flüchtlinge" mehr oder andersgeartete Straftaten als andere Migranten? Wenn ja: Welche und Warum? 3) Begehen Inländer mehr Straftaten als Ausländer? Wenn ja: Welche und Warum?
Dahinter stehen natürlich wieder sehr viele interessante weitere Fragen. Sie sind in vielen Ländern der Welt, aber auch in Deutschland, seit langem Gegenstand interessanter Forschungen, Analysen, Beobachtungen. Das geschieht nicht aus Zufall oder Langeweile, sondern weil Migration und Integration seit vielen Generationen ein ständiges, oft konflikthaftes, immer spannendes soziales Thema sind.
Die Ansicht, die Straftaten von Freiburg und Bochum seien ein Menetekel der Flüchtlingspolitik, und Bedrohungen der Sicherheit ließen sich durch eine restriktive Zurückweisung von Flüchtlingen aus den Krisenregionen der Welt ausschließen, ist unzutreffend. Sie wird auch nicht wahr durch stete Wiederholung.
"Angst und Besorgnis" ist angeblich die Verfassung des Deutschen Ende 2016. Keine Zeitung, kein Sender, der diesem Schreckensphänomen nicht täglich sein Opfer bringt. Freilich: Dafür, dass Deutschland in Angst erstarrt, läuft das Weihnachtsgeschäft allerdings bisher prima! Die Aufforderungen, zur Vorbeugung der unausweichlichen Katastrophe 20 Liter Wasser sowie einige Dosen Bio-Corned-Beef plus veganes Knäckebrot einzulagern, haben, wie mir mein soziales Umfeld berichtet, etwa 98 Prozent der Deutschen souverän ignoriert: World War III und Fessenheim I scheinen postfaktisch noch keine Chance zu haben gegen Helene Fischers Weihnachtsgala und den potenziellen Mörderflüchtling von Zwickau oder Nürnberg. Womit ich natürlich nicht sagen will, dass die Chefredakteure aller großen deutschen Zeitungen sich öffentlich dafür zu entschuldigen hätten, dass sie jahrelang nicht hinreichend über die "Döner-Morde" berichtet haben, als es an der Zeit war.
Fazit: Ohne jeden Scherz folgt das Ende dieser Kolumne: Wer mit Migration nicht leben will und kann, ist vielleicht ein "besorgter", auf jeden Fall aber ein besorgniserregender, in der neuen, globalisierten Welt nicht angekommener Bürger. Er ist, nach allen kriminologischen Erkenntnissen der letzten 150 Jahre, in hohem Maß gefährdet und gefährlich, denn er ist subjektiv desintegriert, enttäuscht, frustriert, objektiv auf der Verliererseite. Er neigt in deutlich überproportionalem Maß zum sozialen Rückzug, selbstdestruktivem Verhalten und Sucht, zu irrationalem Hass auf vermeintlich Schwächere und Minderheiten, zu Gewalttaten und zum Anschluss an totalitäre Glaubensgemeinschaften religiöser und politischer Art.
Über all das gibt es wirklich vorzügliche Studien aus den USA, einer Nation mit langer und großer Erfahrung in solchen Sachen. Viele dieser Untersuchungen befassen sich übrigens mit durch deutsche Flüchtlinge verursachten Problemen. Die überwiegend alleinstehenden, unbegleiteten jungen Männer, die da als Wirtschaftsflüchtlinge auf abenteuerlichen, oft illegalen Wegen aus Berlin, Hamburg, Dresden oder München ins Land ihrer Träume strömten, wollten einfach nicht einsehen, dass sie ihre rückständige deutsche Kultur gefälligst am Hafen von New York City abzugeben hätten. Der eine oder andere soll damals sogar eine junge amerikanische Frau vergewaltigt haben."