06/03/2022
So gut und wichtig die Hilfe für die Schutzsuchenden aus der Ukraine ist, es ist nicht der einzige Konflikt. In Libyen, Syrien oder dem Irak wird mit den gleichen Waffen geschossen, Städte wurden dem Erdboden gleichgemacht, Menschen getötet. In Libyen und Syrien seit 2012, im Irak seit 2002. In Afghanistan wurde schon jahrzehntelang gekämpft, jetzt beherrschen die Taliban das Land und unterdrücken das Volk. In Tschetschenien verfolgt und foltert der gleiche Putin über Jahre hinweg Menschen, die nichts getan haben, nur um in den Medien den Erfolg einer (seiner) angeblichen „Antiterrorpolitik“ zu zeigen. Georgien hat das gleiche Schicksal, wie die Ukraine, nur hat man dort die proeuropäischen Kräfte gleich eingesperrt. In Venezuela hungert Maduro das Volk zu Tode und führt den Kampf gegen sein Volk mit hochbewaffneten Motorradbanden, Tupamaros.
Ich wünschen niemand das Schicksal eines Afghanen, der vielleicht nichts weiter wollte, als sich rasieren oder Musik hören oder selbst bestimmen, an welchen Gott er glaubt und dafür mit dem Tode bedroht wurde und dann mehrmals vom Iran zurück nach Afghanistan abgeschoben wurde, irgendwann mit einem Boot in Griechenland ankam, dort in einem höllischen Lager war und dann hier zur Ruhe kommen will. Oder das Schicksal der Menschen aus Eritrea, die nach einer Höllentour durch die Wüste in Libyen in irgendeinem Gefängnis waren und dann mit einem Schlepper aus Afrika übers Mittelmeer kamen, vor dem Ertrinken gerettet wurden und dann nicht mal mit einem Rettungsschiff in Italien anlegen durften… Schiffskapitäne wurden vor Gericht gestellt, weil sie Menschen geholfen haben, wer erinnert sich nicht? Wer flieht, von wo auch immer, hat einen Grund. Eine Flucht ist kein Sonntagsausflug.
Es ist deswegen politisch absolut nicht korrekt, daß jetzt diskutiert wird, ukrainische Schutzsuchende mit Aufenthaltstitel, Sozialleistungen und Zugang zum Arbeitsmarkt auszustatten - und die anderen nicht! Sagt mir, wo der Unterschied ist! Es sind alles Menschen, alle haben Gründe und es sind die gleichen Waffen und die gleichen Idioten, vor denen sie fliehen. Und wer sagt, daß es jetzt ein europäischer Krieg ist, geografisch nah vor der Haustür, der muß sich fragen lassen, warum wir vor dem Elend in den Flüchtlingslagern in Griechenland, Italien oder Malta wegschauen und Menschen damit bedrohen, dorthin wieder zurückgeschoben zu werden oder wo die Hilfe war, als in Jugoslawien und im Kosovo Krieg war.
Es gibt keine Flüchtlinge erster und zweiter Klasse. Wenn man Ukrainern wegen des Kriegs Rechte gewährt, dann fordere ich das für die anderen auch.