21/06/2026
Die geplante Abschaffung von Minijobs könnte weitreichende Folgen haben – und zwar nicht nur für Beschäftigte, sondern für den gesamten Arbeitsmarkt.
Die Rentenkommission schlägt vor, Minijobs künftig weitgehend abzuschaffen und nur noch Schülern zu ermöglichen. Ziel ist es, mehr Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu bringen und die Finanzierung der Sozialversicherungen zu stärken.
Ökonomisch ist die Sache jedoch komplexer.
Minijobs erfüllen wichtige Funktionen: Sie ermöglichen flexible Beschäftigung für Studierende, Rentner, Eltern und Menschen mit begrenzter zeitlicher Verfügbarkeit. Gleichzeitig sichern sie in Branchen wie Einzelhandel, Gastronomie, Pflege oder Dienstleistungen einen Teil des notwendigen Arbeitskräfteangebots.
Die entscheidende Frage lautet: Was passiert, wenn diese Beschäftigungsform entfällt?
Die Annahme, dass alle Betroffenen automatisch in reguläre Beschäftigung wechseln, ist wissenschaftlich keineswegs gesichert. Arbeitsmarktökonomen weisen seit Jahren darauf hin, dass höhere Abgaben, stärkere Regulierung und geringere Flexibilität Anreize schaffen können, Tätigkeiten in den informellen Sektor zu verlagern.
Natürlich ist die Prognose eines massiven Anstiegs der Schwarzarbeit ebenso wenig sicher wie die Erwartung einer umfassenden Überführung in sozialversicherungspflichtige Jobs. Beides sind Hypothesen, die empirisch überprüft werden müssen.
Deshalb sollte vor einer so weitreichenden Reform eine belastbare Folgenabschätzung stehen:
• Wie viele Minijobs würden tatsächlich in reguläre Beschäftigung übergehen?
• Welche Branchen wären besonders betroffen?
• Wie würden sich Arbeitskosten und Preise entwickeln?
• Wie groß wäre das Risiko zusätzlicher Schwarzarbeit?
Gute Arbeitsmarktpolitik orientiert sich an empirischen Evidenzen und Anreizwirkungen, nicht an politischen Wunschvorstellungen. Wer eine etablierte Beschäftigungsform abschaffen will, muss nachweisen, dass dadurch mehr legale Beschäftigung entsteht – und nicht weniger.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob Minijobs ideal sind, sondern ob die vorgeschlagene Alternative tatsächlich besser funktioniert.