16/07/2026
** Kommentar **
AFD CLOWN MIT STAUFFENBERG-ENTGLEISUNG: WENN GESCHICHTE ZUR BILLIGEN WAFFE VERKOMMT
Es gibt Provokationen, die verpuffen. Und es gibt Provokationen, die zeigen, wie verantwortungslos manche mit der deutschen Geschichte umgehen. Der rechts-nationale AfD Clown und möchtegern Kabarettist Uwe Steimle gehört mit seinem Stauffenberg-Vergleich eindeutig zur zweiten Kategorie.
„Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?“ – dieser Satz ist keine geistreiche Satire. Er ist eine geschmacklose Grenzüberschreitung. Wer den Mann, der am 20. Juli 1944 sein Leben im Kampf gegen Hi**ers Terrorregime opferte, als Pointe im parteipolitischen Schlagabtausch missbraucht, reduziert eines der bedeutendsten Kapitel deutscher Widerstandsgeschichte auf einen billigen Zwischenruf.
Das Perfide daran: Geschichte wird nicht erklärt, sondern instrumentalisiert. Stauffenberg wird aus seinem historischen Kontext gerissen und zum politischen Werkzeug umfunktioniert. Genau das ist Geschichtsklitterung.
Ja, Stauffenberg war kein Demokrat im heutigen Sinn. Er war konservativ, aristokratisch und stand der parlamentarischen Demokratie distanziert gegenüber. Aber genau deshalb verbietet sich jede plumpe Vereinnahmung – von rechts ebenso wie von links. Sein Attentat richtete sich gegen ein verbrecherisches Regime, nicht gegen missliebige Politiker in einer demokratischen Republik. Wer diese fundamentale Grenze verwischt, spielt mit der Geschichte, statt aus ihr zu lernen.
Noch erschreckender ist allerdings, dass solche Vergleiche mittlerweile kalkulierte Bestandteile politischer Inszenierungen geworden sind. Je drastischer die historische Anspielung, desto größer der Applaus. Die Opfer der Geschichte werden dabei zu Requisiten eines politischen Spektakels degradiert. Das ist nicht mutig, nicht provokant und schon gar nicht geistreich – es ist intellektuell dürftig.
Die Empörung der Familie Stauffenberg ist deshalb mehr als nachvollziehbar. Niemand besitzt ein Monopol auf Geschichte. Aber jeder trägt Verantwortung dafür, wie er mit ihr umgeht. Wer Stauffenbergs Vermächtnis für tagespolitische Stimmungsmache ausschlachtet, beschädigt nicht nur sein Andenken, sondern auch die politische Debattenkultur.
Der eigentliche Skandal ist daher nicht allein ein unbedachter Satz eines tiefbraunen, möchtegern Kabarettisten. Der Skandal ist eine politische Kultur, in der historische Vergleiche immer hemmungsloser als Schlagwaffe eingesetzt werden. Wer den Widerstand gegen Hi**er zur rhetorischen Munition gegen demokratisch gewählte Politiker macht, verharmlost nicht nur die Einzigartigkeit des Nationalsozialismus – er entwertet zugleich den Mut jener Menschen, die damals unter Einsatz ihres Lebens Widerstand leisteten.
Geschichte ist kein Steinbruch für billige Pointen. Wer sie so behandelt, verliert jedes moralische Maß – und am Ende auch jede Glaubwürdigkeit.
Germany against N***S