06/08/2021
Von einer Kollegin übernommen:
Warum Anwälte Geld kosten!
Anwälte erhalten häufig Anfragen bzgl. kostenloser Rechtsauskunft. Es ist verständlich, dass viele Rechtsuchende einen schnellen Rat oder eine erste Einschätzung ihres Falls suchen, auch um die "Erfolgschancen" einschätzen zu können. Wer will schon gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen?
Für Anwälte sind diese Anfragen aber nicht immer einfach:
Gesetz
Grundsätzlich ist es unzulässig als Anwalt geringere Gebühren zu fordern, als das Gesetz vorsieht (§ 49b Abs. 1 S. 1 BRAO). Nur in einem gewissen Rahmen sind Ausnahmen zulässig (4 Abs. 1 RVG). Der BGH hat 2017 zwar entschieden, dass eine kostenlose Erstberatung gebührenrechtlich möglich sei (AnwZ (Brfg) 42/16). Die Richter hatten aber darauf hingewiesen, dass Anwälte auf eine Gebührenvereinbarung hinwirken sollten, die Bezahlung ihrer Leistung also die Regel sein soll.
Haftung
Aber selbst im Rahmen des Möglichen ist bei einem kostenlosen Rechtsrat Vorsicht geboten. Jeder anwaltliche Rat ist mit einer Haftung verbunden. Für Fehler haftet der Anwalt wirtschaftlich. Ob der Mandant dann auf eine Inanspruchnahme verzichtet, weil er einen kostenlosen Rechtsrat erhalten hat, steht in den Sternen. Niemand geht ein solches Risiko ein, ohne dafür bezahlt zu werden.
Eigene Kosten
Auch ein „schneller Rat“ erfordert die Lektüre von Gesetzen (nein, auch wir kennen nicht alle auswendig!) und Gerichtsentscheidungen. Daneben besteht eine kostenträchtige Büroorganisation (Miete, Angestellte, IT-Infrastruktur etc.). Diese Dinge müssen bezahlt werden.
Langjährige Ausbildung
Hinter dem "schnell abrufbaren Wissen" eines Anwalts steckt viel Arbeit. Anwälte sind verpflichtet sich fortzubilden. Der Weg zum Anwalt ist mit 5 Jahren Studium, 2 Jahren Referendariat und 2 Examen gepflastert. Das Examen darf in der Regel nur einmal wiederholt werden. Fällt man durch, war alles "für die Katz". Es versteht sich von selbst, dass man für dieses hart angeeignete Wissen entlohnt werden möchte.
Habt Verständnis dafür, wenn eine kostenlose Rechtsberatung von Anwälten abgelehnt wird. Ihr fragt einen Bäcker ja auch nicht, ob er Euch ein Brot schenkt.