17/01/2026
🚨🚨Ein glimpflicher jedoch erfolgreicher Ausgang.
„Detmold. „In der Liebe ist es wie beim Verbrechen - ohne den richtigen Komplizen wird es nichts.“ Dass Verteidiger Murat Baspinar und sein Kollege Remzi Yalcin mit Dichterversen und Songtexten von Drafi Deutscher („Marmor - Stein - und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht“), ihre Plädoyers starten, kommt nicht häufig vor. Die großen Gefühle sollen aber der Grund gewesen sein, weshalb sich ein angeklagtes junges Paar aus Detmold dazu hinreißen ließ, mehrere Banken zu betrügen. Dabei gelangten sie an einen Kredit von 60.000 Euro. So richtig nachvollziehen, kann das Schöffengericht am Amtsgericht Detmold die Gründe nicht.
„Die Sache verwundert uns schon“, sagt der Vorsitzende Richter Martin van der Sand in der Urteilsverkündung. „Für so etwas braucht man erhebliche kriminelle Energie, das ist keine Allerweltstat. Sie fälschen Unterlagen, um einen Kredit zu bekommen. Auf so etwas muss man erst mal kommen.“ Und das, obwohl beide keine Vorstrafen hätten. Was mit dazu führt, dass es in Sitzungssaal 114 am Ende so glimpflich ausgeht.
Geständnis als beste Strategie
Das Schöffengericht verurteilt beide Angeklagte wegen versuchten Betrugs in zwei Fällen sowie vollendeten Betrugs zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung. In allen drei Fällen geht es tateinheitlich um Urkundenfälschung. Außerdem muss das Paar den entstandenen Schaden zurückzahlen.
Mit dem Urteil geht die Kammer einen Monat höher als von Staatsanwältin Kyra Nettingsmeier beantragt. „Das war eine gute und weise Entscheidung, sich hier geständig einzulassen“, sagt die Staatsanwältin im Plädoyer. Genauso sieht es auch das Schöffengericht, denn die beiden Angeklagten (er 28 Jahre, sie 27 Jahre alt) wären durch die Aktenlage überführt worden.
Finanzielle Not als Motiv für Kreditbetrug
Das Motiv scheint aus einer finanziellen Notlage heraus entstanden zu sein. Zwischen August und Dezember 2024 wollte das Paar eigener Aussage nach einmalig an einen hohen Geldbetrag kommen, um Schulden für die pompöse Hochzeit abzubezahlen. Das Geld hatte sich der Mann zuvor von mehreren Bekannten geliehen, weil seine Schwester sein Erspartes gestohlen haben soll. „Die Gläubiger machten dann Druck, mein Mandant musste teils seine Felgen als Pfand hinterlegen“, erklärt Verteidiger Remzi Yalcin für den Angeklagten.
Dazu seien noch Autoschulden und andere Verpflichtungen gekommen. Von dem erlangten Geld wollte sich das Paar wohl auch Möbel kaufen. Hinter dem Plan sei der Ehemann die treibende Kraft gewesen, seine Frau habe ihn unterstützt. Das erlangte Geld hätte das Paar aber wieder zurückzahlen wollen.
Damit ein Kredit in der Höhe bewilligt wird, mussten die Angeklagten ihr Gehalt frisieren. Dafür legte das Ehepaar bei den Banken gefälschte Lohnabrechnungen vor. Sie arbeitet zwar als Friseurin, verdiente aber deutlich weniger. Die anderen Jobangaben in den Unterlagen trafen nicht zu - und die Höhe entsprach nicht der Realität. Alles habe auf den Namen der Frau laufen müssen, weil ihr Partner in der Schufa vermerkt sei.
Bei zwei Versuchen scheiterten jeweils die Anträge für Kredite von 45.000 und 59.000 Euro, den betroffenen Banken kamen die Unterlagen offenbar unstimmig vor. Die Angeklagten kümmerte es nicht, sie machten weiter. Erst die dritte Bank in Detmold bewilligte einen Kredit und zahlte 55.000 Euro auf das gemeinsame Konto sowie 5000 weitere in bar aus.
Aus Liebe gehandelt?
„Ich habe das aus Liebe zu meinem Mann gemacht, ich wollte ihn erleichtern“, sagt die 27-Jährige aus. Sie wirkt angefasst. Die Tränen kullern erst, als der Vorsitzende nach dem vier Monate alten Baby des Paares fragt. „Er hat mir gesagt, was ich machen soll - und ich habe einfach unterschrieben, wenn ich sollte.“ Eine gleichwertige Mittäterschaft sieht das Gericht trotzdem, die Frau habe schließlich genau gewusst, was ihr Mann vorgehabt habe. „Ihnen hätte doch klar sein müssen, dass Sie die hohen Raten nicht hätten zurückzahlen können?“, fragt der Richter. Auf der Anklagebank bleibt es still.
675 Euro wären die Raten hoch gewesen, von denen inzwischen immerhin drei bezahlt wurden. Einen hohen Betrag von etwa 48.900 Euro hat die Staatsanwaltschaft Detmold bereits im Ermittlungsverfahren gepfändet, noch ist es nicht an die betroffene Bank zurückgeflossen, erklärt der Richter. Weitere 2000 Euro stellte die Polizei in bar bei der Durchsuchung der Wohnung der Angeklagten sicher. Es bleiben also noch etwa 7900 Euro, die das angeklagte Paar gemeinsam nun in monatlichen Raten von 200 Euro zurückzahlen sollen.
Die Ermittlungen kamen in Gang, weil eine der ersten Banken das angegebene Gehalt überprüfte und den Hinweis weitergab. Mit dem Urteil kann wohl auch die Verteidigung zufrieden sein. Beide Verteidiger beziffern ihre Anträge nicht, sondern wirken auf ein mildes Urteil im Ermessen des Gerichts hin. Rechtskräftig ist das Ganze noch nicht“ Quelle: Lippische Landeszeitung, 16.01.2026, Janet König.