12/05/2026
Stellungnahme zum heutigen WAZ-Bericht
https://www.waz.de/lokales/gelsenkirchen/article411970990/kritik-an-polizei-nach-sparkasseneinbruch-jetzt-kontert-die-polizeigewerkschaft.html
Als Vertreter von über 650 Geschädigten des Sparkassen-Einbruchs nehme ich zu dem gestern in der WAZ thematisierten Offenen Brief der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Stellung.
Da die Gewerkschaft in ihren Äußerungen allgemein von „Rechtsanwälten“ spricht, ist für mich zunächst nicht ersichtlich, ob ich persönlich adressiert werden soll. Da die WAZ diesen Brief jedoch ausdrücklich auf meine Person bezieht, sehe ich mich zur Klarstellung veranlasst. Ich habe keinen Einblick in die Kommunikation anderer Kolleginnen und Kollegen und kritisiere das Auftreten einzelner Rechtsanwälte in dieser Sache ausdrücklich selbst. Diese sprechen immer wieder von Clan-Kriminalität, der „Unterwelt“ oder ähnlichen Szenarien, was ich für frei erfunden halte. Eine solche Rhetorik unterstützt genau jene Verunglimpfungsstrategie, die am Ende der Sparkasse in die Karten spielt.
Gleichwohl verwahre ich mich aufs Schärfste gegen öffentliche Falschdarstellungen und das Verunglimpfen anwaltlicher Arbeit als „unsachlich“, sobald man als Anwalt eine kritische Position im Interesse seiner Mandanten und als Organ der Rechtspflege einnimmt. Es steht einer Gewerkschaft grundsätzlich nicht zu, die Arbeit von Organen der Rechtspflege zu diskreditieren, nur weil Missstände deutlich angesprochen werden. Ein solches Vorgehen ist ein Angriff auf die gesamte Advokatur. Zunächst stelle ich klar: Ich habe zu keinem Zeitpunkt die Arbeit der Polizeibeamtinnen und -beamten vor Ort kritisiert. Ganz im Gegenteil: In meiner Korrespondenz mit Innenminister Herbert Reul sowie in sämtlichen öffentlichen Äußerungen und sozialen Medien habe ich den enormen Einsatz, die unzähligen Überstunden und die physische Belastung der Ermittler ausdrücklich gelobt. Es besteht keinerlei Zweifel daran, dass die Beamten alles in ihrer Macht Stehende tun, um diese Tat aufzuklären. Diese „Knochenarbeit“ verdient und genießt meinen größten Respekt, was ich auch künftig immer wieder betonen werde. Meine Kritik richtet sich jedoch mit aller Deutlichkeit gegen die strategische Führung durch die Polizeispitze. Der mir bekannte Fragenkatalog belegt, dass der Polizeipräsident Ermittlungen führen lässt, die nicht nur der eigentlichen Sachverhaltsaufklärung dienen, was Ressourcen verschwendet und zu zusätzlichen Aufwand führt. Fragen nach Hausrat- oder Rechtsschutzversicherungen tragen nichts zur Ergreifung der Täter bei. Sie dienen allenfalls der zivilrechtlichen Schadensregulierung und spielen damit einseitig der Sparkasse in die Hände. Wenn die Sparkasse über Akteneinsicht erfährt, welche Opfer privat versichert sind, wird sie dies nutzen, um Forderungen im Rahmen von Vergleichen oder Quotenregelungen abzuwehren. Dass die Polizei hier zur Zuarbeiterin für die Schadensabwehr eines Kreditinstituts wird, muss ich als Interessenvertreter kritisieren. Ein weiterer schwerwiegender Punkt ist der teilweise rüde Umgang mit einigen Mandanten in den Befragungen. Rechtschaffene Bürger, die ihre Altersvorsorge nachweislich mit Belegen und Urkunden erspart haben, werden behandelt, als müssten sie sich für ihren Besitz rechtfertigen. Fragen nach Schwarzgeld oder Bezügen zur Clan-Kriminalität gegenüber Opfern, die ihre Existenz verloren haben, sind eine Form der Täter-Opfer-Umkehr. Da diese Ermittlungsrichtung von der Spitze vorgegeben wird, ist sie ein systematischer Fehler der Behördenleitung, nicht der tüchtigen Beamtinnen und Beamten.
Anwälte sind Organe der Rechtspflege und gleichzeitig Interessenvertreter. Wenn hunderte Opfer betroffen sind, ist Kritik an der staatlichen Vorgehensweise nicht nur zulässig, sondern meine berufliche Pflicht. Ich werde mich durch die öffentliche Einflussnahme oder Versuche der Diffamierung nicht in meiner anwaltlichen Unabhängigkeit beschränken lassen, wenn es darum geht, die Rechte meiner Mandanten gegen eine nicht neutral agierende Polizeispitze zu verteidigen.
Nach Kritik von Anwalt Daniel Kuhlmann verteidigt die GdP die Ermittler. Parallel verschärft sich der Streit mit der Sparkasse Gelsenkirchen.