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25/08/2026
HVV-Radtour zur Bifurkation in GesmoldAusgeklügeltes System der Wasserverteilung für MühlenImmer wieder interessant: Bei...
16/08/2026

HVV-Radtour zur Bifurkation in Gesmold
Ausgeklügeltes System der Wasserverteilung für Mühlen
Immer wieder interessant: Bei der Radtour des HVV nach Gesmold führte der Meller Heimatforscher Bernd Meyer die Gruppe der 15 Radler (bei 38 Grad!) nicht nur zum Mausoleum der Gesmolder Schlossherren, sondern auch über die Sichtachse durch schattigen Wald ca. 2 km zum Wasserschloss, dessen Herrenhaus 1544 gebaut worden ist (der Turm stammt von 1200). Die Zwischenetappe war der Auftakt zu einer Zeitreise, in deren Mittelpunkt die Bifurkation an der Hase stand.
Am Standort langjähriger Fehden und Auseinandersetzungen um das Wasser, hat der Heimatverein Gesmold mit Hilde von Geldgebern und Sponsoren einen Umweltbildungsstandort eingerichtet, der beispielhaft ist. Der Verein hat es sich mit seinen ehrenamtlichen Helfern zur Aufgabe gemacht, das Areal zu hegen und zu pflegen.
Bifurkation – es gibt nur wenige, die mit dem Begriff nichts anfangen können. Bernd Meyer nutzte die Radreise zur Auffrischung alter und vielleicht verschütteter Kenntnisse. Die Frage blieb: Ist eine natürliche Wasserscheide der Grund für die Flüsseteilung von Hase und Else, oder stand ein profaner Streit um das Wasser und seiner Nutzung die Erklärung?
Bernd Meyers hat seine Recherchen zum Thema in einer Broschüre „Die Bifurkation der Hase und Else in Gesmold“ 2004 veröffentlicht. Er zitiert darin auch die Kurzfassung von Historiker Gerd van Heuvel „Bifurkation oder Mühlengraben?“. Da heißt es u.a.: „Zweifel an der natürlichen Entstehung sind unter Verweis auf die historischen Quellen allerdings schon des Öfteren angemeldet worden, am deutlichsten bislang von Heinrich Westerfeld, der 1934 in einem knappen Aufsatz die fast drei Jahrhunderte währende Ausenandersetzung um die Wasserverteilung an der Hasegabelung skizzierte und zum Schluss kam, dass die Zweiteilung der Hase kein Gebilde der Natur ist“. Westerfeld (1872-1941) war Lehrer und Heimatkundler aus Belm-Haltern.
Der rund drei Jahrhunderte Wasserstreit war über viele Jahre wohl kein Streit, wie van Heuvel herausgepusselt hat, sondern ein ausgeklügeltes System der Wasserversorgung. Denn es ging um den Betrieb von zwei Mühlen, die Stadt Osnabrück und zwei Wasserläufe, an dieser Stelle die 100 Meter parallellaufende Hase und der Uhlenbach (von Else war da noch nicht die Rede). Die Hase versorgte die Krusemühle, der Uhlenbach die Schlossmühle von Gesmold. Doch der Bach lieferte besonders in Trockenzeiten zu wenig Wasser. Also kam der Schlossherr Hermann von Amelunxen auf die Idee, Wasser von der Hase abzuzweigen.
Das aber kam beim Krusemüller nicht gut an, noch viel weniger bei den Osnabrückern, die auf das Wasser zum Schutz der umwallten Stadt angewiesen waren. Diesen Umstand nutzten auch die Schweden 1633 aus, als sie an der heutigen Bifurkation den Osnabrückern das Wasser abgruben, die schließlich am 12.September kapitulierten, weil kein Wasser mehr die Stadtgräben füllte.
Doch Amelunxen hatte schon Mitte des 16. Jahrhunderts Fakten geschaffen. Einmal den Abzweig (heute Bifurkation) der Twellbecke zum Uhlenbach und dann 500 Meter nördlich noch eine hölzerne Rinne, die beim Aufstau der Krusemühle Wasser der Hase in den Uhlenbach und damit zur Schlossmühle leitet. Das Konstrukt entpuppt sich heute als ausgeklügeltes System der Wasserverteilung für beide Mühlen. Nur: Das Aufstauen des Wassers zum Mahlen musste abgesprochen werden. Klappte nicht immer in den letzten Jahrhunderten.
1608 kamen beide Mühlen in den Besitz des Osnabrücker Bischofs (Hochstift). Der Friede währte nicht lange. Um 1660 startete mit einem erneuten Besitzerwechsel eine neue Periode der Streitigkeiten. Die jeweiligen Müller waren sich spinnefeind, schütteten Dämme in die Zuläufe der jeweils anderen Mühle, um die Wasserkraft für sich nutzen zu können. Bei diesen Fehden ging es keineswegs gewaltfrei ab. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor die Wasserkraft durch einsetzende Mechanisierung und Industrialisierung ihre Bedeutung, und damit auch der Streit ums Wasser.
Übrigens taucht der Name „Else“ erstmals 1691 für den Bachabschnitt direkt hinter der Hasegabelung ((vorher Twellbecke)) auf.

Heinrich Westerfeld schreibt in seiner Ausarbeitung aus dem Jahre 1934, dass man das Ausroden der tiefer eingewurzelten Büsche und Bäume vermeiden wollte und deshalb den angelegten Graben in unregelmäßigen Windungen um den Wurzelbereich herumführte. Diese Ausführungen sind eine Vermutung. Auch früher verstand man es schon, Wurzeln zu entfernen, wenn sich dadurch die Strecke erheblich verkürzte.

Es stellte die Frage, warum man, wenn schon ein künstlicher Bachgegraben wurde, diesen nicht am Schimm herstellte. Hier war der Abstand von der Hase zum Uhlenbach nur wenige 10 Meter lang, ein Gefälle zum Uhlenbach war vorhanden.
Es gibt genügend Argumente für und gegen eine natürliche Bifurkation in Gesmold, ein Beweis scheint zurzeit mit den vorhandenen Unterlagen nicht möglich zu sein. Wahrscheinlich hat man sich ein natürliches Phänomen zu Nutze gemacht.
Alexander von Humboldt. Sogar der Naturforscher und Begründer der physikalischen Geografie, Alexander von Humboldt (1769 – 1859) schrieb nach seinen Entdeckungen auf seiner Südamerikareise über die Bifurkation am Orinoco unter anderem auch über Beispiele europäischer Flüsse, so auch über die Bifurkation der Bachläufe der Hase und des Uhlenbaches.

Er schrieb: „Irı Deutschland, zwischen Melle und Osnabrück, haben wir den seltenen Fall, dass ein sehr enges Tal die Becken zweier kleiner, voneinander unabhängiger Flüsse verbindet. Die Else und die Hase laufen anfangs nahe beieinander und parallel von Süd nach Nord; wo sie aber in die Ebene treten, weichen sie von Ost nach West auseinander und schließen sich zwei ganz gesonderten Flußsystemen, dem der Werre und dem der Ems an“,
Von Humboldt war selber nicht in Gesmold, hatte von der Bifurkation in Gesmold (erste bekannte Erwähnung: 1578) wahrscheinlich keine Kenntnisse.
Dieser Bericht basiert auf den Recherchen von Bernd Meyer, die er 2004 veröffentlicht. Der Gesmolder Heimatforscher erwies sich bei der HVV-Radtour als kenntnisreicher und amüsanter Gesprächspartner. Leider musste er sich nicht der Frage stellen, wer wen über die 2 km lange Sichtachse zwischen Schloss Gesmold und Mausoleum (damals auch ein beliebtes Lustschloss) im Blick behielt. Hpr-

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